Als Maria (Name geändert) nach ihrer Krebsdiagnose in der Gemeinde um Gebet bat, erlebte sie Trost, neue Kraft – und eine medizinisch nicht erklärbare Besserung. Für sie war es ein Wunder. Doch nicht jeder erfährt Heilung auf diese Weise. Bedeutet das, dass die Erlösung durch Jesus nicht jede Krankheit heilt? Und wenn nicht, was genau umfasst die Erlösung dann?
Die Erlösung, wie sie im Zentrum des christlichen Glaubens steht, umfasst nach evangelischem Verständnis vor allem die Vergebung der Sünden, die Versöhnung mit Gott und das ewige Leben. Sie gründet sich allein auf das Werk Jesu Christi – besonders auf seinen Tod am Kreuz und die Auferstehung.
Jesus Christus kann uns heilen
Die Bibel zeigt, dass Jesus während seines irdischen Wirkens viele Menschen heilte. Diese Wunder waren Zeichen seiner göttlichen Vollmacht und wiesen auf das kommende Reich Gottes hin (vgl. Matthäus 11,5). Auch heute glauben viele Christen, dass Gott heilen kann und will, wenn es seinem Willen entspricht.
Vollkommene Heilung hier auf Erden nicht garantiert
Heilung ist nicht automatisch Teil der Erlösung im Sinne einer Garantie. Die Verheissung der Erlösung bedeutet nicht, dass jeder Christ im irdischen Leben von Krankheit befreit wird. Krankheit und Leiden bleiben Realitäten der gefallenen Welt. Gleichzeitig dürfen Gläubige mit Vertrauen um Heilung beten (vgl. Jakobus 5,14) – aber in der Haltung: „Nicht mein, sondern dein [Gottes] Wille geschehe“ (Lukas 22,42).
Die neue Schöpfung
Die vollkommene Heilung – die Erlösung des Leibes – erwarten wir in der neuen Schöpfung, wo es kein Leid und keinen Tod mehr geben wird (vgl. Offenbarung 21,4). Paulus schreibt über den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi (Philipper 3,21): „Dann wird er unseren hinfälligen, sterblichen Leib verwandeln und ihn dem herrlichen, unvergänglichen Leib gleich werden lassen, den er selbst nach seiner Auferstehung empfangen hat.“ Bis dahin leben Christen in der Spannung zwischen dem, was Gott schon getan hat, und dem, was er noch vollenden wird. Jesus verspricht in Offenbarung 21,5: „Siehe, ich mache alles neu!“ Darauf dürfen wir uns freuen. Alles Leiden, all den Schmerzen, all die Einschränkungen, die wir aktuell hier erleben und erleiden müssen, haben ein Ende.
Kurz: In evangelischer Sicht schliesst die Erlösung die Hoffnung auf Heilung ein – aber sie verheisst sie nicht uneingeschränkt für dieses Leben. Entscheidend ist die Heilung der Gottesbeziehung – sie ist das Herz der Erlösung.
Dieser Artikel wurde im fegmagazin (September 2025) publiziert. Er kann hier heruntergeladen werden.
